Anschlussprüfung Mehrfamilienhaus

In diesem Berliner Mehrfamilienhaus wurden durch die Senkung der Fernwärmeanschlussleistung jährliche Einsparungen von 4.500 Euro erreicht. Das in der Gründerzeit erbaute Wohngebäude besteht aus Vorder- und Hinterhaus und wurde Ende der 90er Jahre umfassend saniert. Dabei wurde das Gebäude mit einer Zentralheizung ausgestattet und an die Fernwärme angeschlossen, die Fenster erneuert sowie das Dachgeschoss ausgebaut.

Bei dem Gründerzeitgebäude in Berlin Friedrichshain werden durch die Senkung der Anschlussleistung jedes Jahr 4.500 Euro Heizkosten gespart.

Der überhöhte Fernwärmepreis war im Rahmen eines Heizgutachtens aufgefallen, welches die co2online gGmbH im Auftrag eines Bewohners erstellt hatte. Dieser hatte die Hausverwaltung über das Einsparpotenzial informiert. In der Folge wurde SEnerCon die Energierechnung zur Vorprüfung überlassen, die eine zu hohe Anschlussleistung (Anschlusswert) bestätigte. Daraufhin wurde SEnerCon von der Hausverwaltung mit der Ausschöpfung des festgestellten Einsparpotenzials beauftragt.

Analyse der Ausgangsituation

Von der Hausverwaltung konnte nicht mehr nachvollzogen werden, warum für das Gebäude eine überhöhte Anschlussleistung vereinbart wurde. Typischer Weise werden für diese Art von Gebäuden vom Versorger Vattenfall dem Hauseigentümer deutlich günstigere Anschlussleistungen vorgeschlagen, im Regelfall 62 W Anschlussleistung je m² Wohnfläche. Tatsächlich waren 106 W je m² vertraglich vereinbart. Der überhöhte Anschlusswert war auf keine technische Besonderheit des Gebäudes oder der Heizanlage zurückzuführen. Tatsächlich lag der Heizenergieverbrauch des Gebäudes deutlich unter dem Berliner Durchschnitt, was auf den Wärmeschutz-Zustand des Gebäudes und den neuwertigen Zustand der Heizanlage- und der Fernwärme-Übergabestation zurückzuführen ist. Die Heizanlage wurde als Niedertemperaturheizung ausgeführt, so dass die von Vattenfall vorgegebene maximale Rücklauftemperatur des Fernheizwassers von 45°C problemlos eingehalten wird. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die überhöhte Anschlussleistung auf einen Beratungsfehler durch den ausführenden Planer zurückzuführen war.

Unsere Empfehlung

Da die benötigte Anschlussleistung mit 70 kW bzw. 40W/m² in einem Bereich lag, der unter der Grenze für den reinen Mengenpreis lag, den Vattenfall in diesen Fällen anbietet, wurde von SEnerCon keine Reduzierung der Anschlussleistung vorgeschlagen, sondern ein Wechsel in den Tarif mit reinem Mengenpreis (nur Arbeitspreis, kein Leistungspreis). Dieser Tarif wird von Vattenfall im ehemaligen Ostteil der Stadt bis zu einem Wärmebedarf von 100 kW angeboten. Der Tarif gewährleistet den Bezug von Fernwärme zu gleichen Konditionen wie der Tarif, der sich aus Arbeits- und Leistungspreis bei optimal gewählter Anschlussleistung ergibt. Weiterhin konnte in diesem Fall eine Leistungsreserve von 30 kW, die sich aus der Differenz zwischen max. Wärmebedarf (100 kW) im Mengentarif und benötigter Anschlussleistung von 70 kW ergibt, ohne Mehrkosten erschlossen werden. Das Gebäude kann damit auch in extremen, langanhaltenden Kaltwetterperioden ausreichend mit Fernwärme versorgt werden. Die Umsetzung der von SEnerCon ausgesprochenen Empfehlungen war mit einer jährlichen Einsparung von etwa 4.500 € verbunden. Damit konnten die Heizkosten des Gebäudes um ca. 25% reduziert werden.

Zahlen und Fakten

Baujahr: 1904
Wohnfläche: 1.700 m²
Heizenergieverbrauch 2004: 169.000 kWh
Nutzungsart: nur wohnen
Versorger: Vattenfall Europe AG
Anschlussleistung vor Beratung: 177 kW (105 W/m²)
Anschlussleistung berechnet: 70 kW (40 W/m²)
Anschlussleistung vereinbart: 100 kW (60 W/m²)
Einsparung infolge Tarifwechsel: 4.500 € je Jahr
Einsparung Fernwärme-Bezugskosten: 30%
Einsparung Heizkosten: 25%