09.05.11

Heizgutachten sind effektive Klimaschützer

Die Heizgutachten, die die SEnerCon im Auftrag von co2online erstellt hat, sind eines der effizientesten Instrumente, die es für den Klimaschutz in Deutschland gibt. Das geht aus der Evaluation des unabhängigen Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hervor.


Deutschlands Vermieter verschicken jedes Jahr 16 Millionen Heizkostenabrechnungen – das sind 16 Millionen ungenutzte Chancen für den Klimaschutz. Denn nach Durchsicht der Heizkostenabrechnung bleibt bei den meisten Mietern zentral beheizter Mehrfamilienhäuser nur eine Aussage hängen: Muss ich nachzahlen oder bekomme ich Geld zurück? Kaum ein Mieter kann der Zahlenflut entnehmen, ob das Heizen teurer oder günstiger wurde, weil der Winter kalt oder mild war, die Energiepreise fielen bzw. stiegen oder Verbesserungsmaßnahmen am Haus vorgenommen wurden. Dabei liegen gerade in diesem Bereich enorme Sparpotenziale brach: Knapp 90 Prozent des gesamten Energieverbrauchs eines Privathaushaltes gehen auf das Konto von Heizung und Warmwasser.
Mit den Heizgutachten, die die SEnerCon im Auftrag der gemeinnützigen co2online GmbH erstellt hat, können Mieter und Eigentümer beurteilen, ob sie sparsam oder verschwenderisch mit Heizenergie umgegangen sind. Das Heizgutachten „übersetzt“ die Heizkostenabrechnung in verständliche Fakten und informiert über Sparpotenziale. Bislang wurden rund 60.000 Heizgutachten erstellt.

Heizgutachten ist das effizienteste Klimainstrument in Deutschland

Eine aktuelle Evaluation der Kampagne zeigt, dass sich die beispiellose Wirkung der Heizgutachten nicht allein auf das Übersetzen der Heizkostenabrechnung in anschauliche Informationen beschränkt. Jedes Heizgutachten stößt – hochgerechnet auf 20 Jahre – eine Vermeidung von 51,6 Tonnen CO2 an. Zudem ist es ein wirksames Konjunkturpaket für Handwerk und Industrie. Dort sorgt jedes Gutachten für einen zusätzlichen Umsatz von rund 28.000 Euro und 0,4 Personenjahre Beschäftigung. Insgesamt haben allein die 40.000 Heizgutachten, die in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert wurden, die Vermeidung von rund zwei Millionen Tonnen CO2 angestoßen. Das entspricht etwa den gesamten jährlichen CO2-Emissionen einer Großstadt wie Münster. Durch die in Folge des Gutachtens eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen konnten Handwerk und Industrie einen zusätzlichen Umsatz von 1,12 Milliarden Euro erzielen.
Bei eingesetzten Fördermitteln von 3,377 Millionen Euro betragen die Impulskosten pro vermiedene Tonne CO2 1,65 Euro. Das heißt: Um die Vermeidung von einer Tonne CO2 anzustoßen, wurden im Rahmen der Heizspiegelkampagne 1,65 Euro ausgegeben. „Damit ist das Heizgutachten das effizienteste Klimaschutzinstrument, das es derzeit in Deutschland gibt“, sagt Dr. Johannes D. Hengstenberg, Geschäftsführer von co2online.
Zum Vergleich: An der Leipziger Energiebörse EEX wurde die Tonne CO2 im April 2011 mit rund 16 Euro gehandelt. Bei einer geförderten Vor-Ort-Energieberatung belaufen sich die Kosten pro eingesparte Tonne CO2 laut einer Evaluation des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu)  auf 4,70 Euro. Jeder Fördereuro für die Energieberatung stößt zusätzliche Investitionen von 30 Euro aus. Ein Heizgutachten löst mit jedem geförderten Euro zusätzlich ein Investitionsvolumen von 330 Euro im Handwerk aus und schafft bzw. sichert in der Branche Beschäftigung für zwei Arbeitstage.
Für die Evaluation hat das unabhängige Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das mit der Auswertung beauftragt war, rund 15.000 Heizgutachtenbezieher angeschrieben. 2.106 Befragte haben mit einem ausgefüllten Fragebogen geantwortet.